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      Kath. Kirchengemeinde St. Maria Magdalena Großschafhausen



       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       

       


      Als Bomben auf Großschafhausen fielen

      Vor 75 Jahren starben elf Menschen bei einem Angriff britischer Flieger

       

      Von Elisabeth Koprivc

       

      Schwendi/Großschafhausen - Heute auf den Tag genau vor 75 Jahren ging für Schwendi und auch für die damals selbständige Gemeinde Großschafhausen der Zweite Weltkrieg zu Ende. Es ist anzunehmen, dass nach sechs Kriegsjahren ein Aufatmen durch die Bevölkerung ging, obwohl auch vor der Besatzung Angst und Ungewissheit herrschte.

       

      Etwa eine Woche zuvor mussten die Bewohner von Großschafhausen jedoch einen herben Schicksalsschlag hinnehmen. Am Montag, den 16. April 1945, an einem sonnigen Frühlingstag, wurde die Ortschaft am Nachmittag von britischen Jagdfliegern angegriffen. Den Angreifern war damals, möglicherweise zufällig, das geschäftige Treiben im Ort aufgefallen, wie Zeitzeugen überliefert haben.

       

      Im Garten hinter der Kirche war eine Feldküche der deutschen Soldaten stationiert. An der Kreuzung Hauptstraße/Wainer Straße haben Soldaten eine Panzersperre errichtet. Zum gleichen Zeitpunkt wurden bei der Firma Jost Holzbauwerke Barackenteile auf Eisenbahnwaggons verladen. Offensichtlich wurde dies von den Piloten der Jagdflieger beobachtet. Sie drehten deshalb eine Schleife, kamen im Tiefflug aus Richtung Kleinschafhausen und warfen mehrere Bomben auf Großschafhausen ab (So hat der Bußmannshauser German Nießer die Ankunft der Flieger im April 1996 erläutert.).

       

      Ein Chronist aus dem Heimat- und Adressbuch von 1958 beschreibt den „schwarzen Tag, den 16. April 1945“ wie folgt: „16.45 Uhr fielen 12 Bomben ins Dorf und die Gemarkung. Jedenfalls deshalb, weil an der Durchgangsstraße Laupheim-Schwendi der Aufbau einer Panzersperre geschah und reges Einladen auf dem Bahnhof sich vollzog, das von feindlichen Fliegern beobachtet wurde. Elf Menschen (Frauen, Kinder, Lehrlinge, Fremdarbeiter und 1 Soldat) mussten ihr Leben lassen. Große Bestürzung und Schrecken herrschten im Dorf. Außer den Toten waren viele Häuser total zerstört und viele erlitten nicht unbedeutenden Schaden. Die Leichen wurden im Spritzenhaus auf Stroh gebettet. Sieben der Toten wurden auf dem hiesigen Friedhof zur letzten Ruhe bestattet, wobei die Trauerfeier durch Fliegeralarm gestört wurde.“

       

      Einem Zeitzeugen, der namentlich nicht erwähnt werden möchte, ist dieses schreckliche Ereignis auch heute noch gut in Erinnerung. Der damals 17-jährige Soldat befand sich mit einem Kameraden auf dem Rückweg von Isny und bekam in Berkheim von einer jungen Frau einen Wecken angeboten. Sie erwähnte, dass es Bombardierungen auf Großschafhausen gab. Er beeilte sich nach Hause, fand sein Elternhaus beschädigt vor, konnte aber zum Glück seine Familie unbeschadet in die Arme schließen.

       

      Am schlimmsten hatte es die Familie Blersch getroffen. Dort schlug eine Bombe in das Wohnhaus mit Landwirtschaft und in die dazugehörige Bäckerei ein. Der Hauseigentümer hat an der Errichtung der Panzersperre geholfen und war gerade dabei, eine Schaufel aus etwa 200 Metern Entfernung zu holen, als der Bombenhagel niederging. Vier Personen, die sich im Wohnhaus befanden, mussten ihr Leben lassen: seine Ehefrau sowie die vierjährige Tochter, seine Schwägerin aus Simmisweiler, die zu Besuch war, und ein Flüchtlingskind aus Nordrhein-Westfalen.

       

      Zwei Anwesen, die Bahnhofsanlage und die Firma Jost wurden schwer beschädigt. Zahlreiche Fensterscheiben, unter anderem die der Kirche, und Dächer gingen durch die Druckwelle zu Bruch und wurden zerstört.

       

      Als sich die Bombardierung zum 70. Mal jährte, wurde ein Gedenkgottesdienst in der Kirche abgehalten. Den Zeitzeugen war es wichtig, sich der elf Toten dieses schrecklichen Nachmittags zu erinnern. Pfarrer Martin Ziellenbach weist auf die Gedenktafel in der Kirche vor dem linken Seitenaltar hin: „Pfarrer Georg Xaver Kloos, der bis 1950 Doppelpfarrer in Bußmannshausen und Großschafhausen war, hat eine Gedenktafel an die Bombardierung anbringen lassen. Im Text weist er auf das heilige Rosenkranzfest 1943 hin. Bischof Sproll hatte aus dem Exil dazu aufgerufen, damit sich die Gemeinden der Diözese Rottenburg feierlich unter den Schutz Mariens stellen, wie von Papst Pius XII initiiert.“

       

      Ein Gedenkkreuz beim Kriegerdenkmal vor der Kirche erinnert an fünf Personen aus Großschafhausen, die ums Leben gekommen sind. Auf der Homepage der Kirchengemeinde Schwendi sind Informationen und die Namen der Toten zu lesen, um ihrer zu gedenken. Sie werden unvergessen bleiben.

      Die drei Arbeiter bei der Firma Jost waren Schreinergesellen aus Schwendi. Sie starben im Alter von 15 bzw. 17 Jahren. Von einem, Erwin Teufel, ist das Grab auf dem Friedhof in Schwendi noch erhalten.

       

       

       

      Fotos: Elisabeth Koprivc