Search & Find

     
    advanced search  

      Patrozinium am 26.7.15, Texte von Elvi Weiss



      Einführung

       

      Liebe Gemeinde,

      ganz herzlich begrüße ich Sie heute  Morgen in unserer schönen Kirche.

      Wir feiern heute das Patrozinium, den Namenstag unserer Kirche und unserer Gemeinde, Sankt Maria Magdalena.

      Maria Magdalena ist hier im Hochaltar dargestellt.

      Sie war einen Jüngerin Jesus, sie wurde durch ihn geheilt, und hat ihn bis zum Tod am Kreuz begleitet. Sie war aber auch die erste, die ihn als Auferstandenen erfahren hat und diese grundlegende frohe Botschaft verkündet hat.

      So ist sie zur ersten Auferstehungszeugin geworden.

      Sie hat ihr Leben und Wirken ganz an Jesus Christus ausgerichtet.

       

      Zu ihm, der in unserer Mitte ist, rufen wir:

       

      Herr Jesus Christus, du bist es der Heilung und Hoffnung schenken kann

      Herr Jesus Christus, führst uns über den Tod hinaus in ein neues Leben.

      Herr Jesus Christus, du rufst uns dir zu folgen, in dir finden wir Sinn und Trost.

       

       

       

       

       

      Ansprache  

       

      Liebe Gemeinde,

      jedes Ding hat einen Namen,  ja, jedes Ding hat einen Namen das ist ja klar,

      so lernen wir sprechen, alles hat oder bekommt einen Namen…

      Wenn ein neues Menschenkind geboren ist, lautet stets die erste Frage, und wie soll das Kind heißen. Da ist es für die Eltern meist nicht leicht, sich für einen bestimmten Namen zu entscheiden, vor allem dann wenn sie viele mitreden lassen. Früher war es vielleicht leichter, man nahm den Namen der Eltern  oder der Großeltern oder der Paten. Heute gibt es Listen mit Namen aus aller Welt und allen Kulturen, Modenamen wohlklingende Namen, mit und ohne besondere Bedeutung.

      Es ist wichtig einen Namen zu haben, denn mit meinem Namen werde ich mein ganzes Leben lang angesprochen, es ändert sich vielleicht mal die Koseform oder der Spitzname aber mein Name bleibt. Er gehört zu mir, ist Teil meiner Identität. Ich reagiere, wenn mein Name genannt wird, und ich kenne sehr wohl die unterschiedlichen Klangformen und Nuancen, mit denen bestimmte Personen meinen Namen aussprechen und ich spüre auch die unterschiedlichen Gefühle, die in mir ausgelöst werden je nach dem, wie ich mit meinem Namen angesprochen werde.

      Den Namen eines Menschen zu kennen, ist der erste Weg der Beziehungsaufnahmen, der Name schafft Verbindung, wenn ich den Namen weiß, ist mir der andere nicht mehr fremd. Und oft verbinden wir mit bestimmten  Namen auch die dazu passenden Charaktereigenschaften.

       

      Auch schon beim Propheten Jesaja im Alten Testament heißt es, da wird uns von Gott zugesagt:

      Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!

      Ja, auch Gott kennt meinen Namen, ich bin gerufen und geliebt.

       

      Kinder stellen immer die Frage; warum heiße ich so, wie ich heiße?

      Warum habt ihr mir diesen Namen gegeben?

      Früher wurden die Namen bedeutender Menschen vor allem der Heiligen gerne gewählt. Damit verbunden war dann auch der Wunsch, dass dieses Kind unter dem besonderen Schutz seines Namensgebers, eben dieses oder dieser Heiligen steht. Vor allem in Katholischen Kreisen wurde zu früheren Zeiten daher besonders der Namenstag gefeiert, eben am Gedenktag der Heiligen nach dem ich genannt bin.

      Das kam daher, dass im Zuge der Christianisierung der Völker außerhalb des alten Römerreiches die christlichen Namen zum unterscheidenden Kennzeichen wurden. Sie  bezeichneten meist eine besondere Verbindung zu dem Heiligen, dessen Namen der Täufling in der Taufe angenommen hatte und das war ein neuer Name.

      Der Gedenktag des Heiligen im liturgischen Kalender der Kirche hatte für den Namensträger eine besondere Bedeutung, das Geburtsdatum war hingegen oft gar nicht bekannt. Im Mittelalter bekamen die Kinder oft auch  den Namen des Heiligen der gerade am Tauf-Tag gefeiert wurde, wie z, B. Martin Luther.

      Heute hat die Bedeutung des Namenstages leider oftmals seine Bedeutung verloren.

       

      Und doch feiern wir alle heute Namenstag. Wir feiern das Patrozinium unserer Kirche und unserer Gemeinde. Jede Kirche hat einen Namen und mit dem Namen einen Patron oder eine Schutzheilige, diese werden meist auch in der Kirche  besonders dargestellt. 

      Maria Magdalena, das war am 22. Juli, so heißt unsere Kirche und so heißt auch unsere Gemeinde. St. Maria Magdalena Großschafhausen und auch die in Sießen im Wald.

       

      Wer war nun Maria Magdalena? Was fällt uns ein, wenn wir den Namen Maria Magdalena hören? 

      Die bekannteste Stelle im Neuen Testament haben wir heute im Evangelium gehört.  Maria begegnet als erste dem Auferstandenen.

      Vielleicht kennen wir sie auch als eine Jüngerin Jesu, eine der Frauen, die mit ihm gezogen sind und ihn mit Geld unterstützten. Manche denken vielleicht, das war seine Geliebte, so wie es manche Bücher und Filme, wie „Der Da Vinci Code“ suggerieren.  Oder wir denken an die Prostituierte, die von Jesus bekehrt wird, eine reumütige Sünderin und Büßerin – oder ist Maria Magdalena, die Maria, die mit Martha und Lazarus zusammen wohnt? 

      Es gibt neben Maria, der Mutter Gottes, keine andere Frauengestalt der Bibel, über die so viel geschrieben worden ist, wie über Maria Magdalena.

      Sie, Maria, wird nach dem Ort benannt aus dem sie stammt, Magdala, eine kleine wohlhabende Stadt am See Genesaret.

       

       Im Lukasevangelium wird uns berichtet, dass Jesus   Maria Magdalena geheilt hat, sieben Dämonen hatte er  ausgetrieben. Maria Magdalena war also eine kranke Frau. Die Zahl „sieben“ deutet auf eine schwere, langwierige Erkrankung hin, die sie wahrscheinlich schon lange hatte und die auch nicht so schnell verschwand. Man vermutet aufgrund der genannten „Dämonen“, dass es eine Gemütskrankheit, evtl. Depressionen waren. Wir erfahren auch noch bei Lukas, dass die Frauen um Jesus ihn unterstützten mit allem was sie besaßen.

      Maria Magdalena war eine wohlhabende Frau ohne Mann, denn sonst würde sie nach ihrem Mann benannt.

       

      Alle vier Evangelien berichten, dass sie mit anderen Frauen das leere Grab mit wohlriechenden Ölen aufsucht. Sie wird immer als erste genannt. Sie muss so etwas, wie eine Führungsrolle unter den Frauen inne gehabt haben.

       

      Das Johannesevangelium schildert am ausführlichsten die Begegnung mit dem Auferstandenen. Zuerst erkennt sie ihn nicht. Aber sie wird von Jesus beim Namen gerufen. „Maria“  und daran am Rufen ihres Namen,  wohl am Tonfall, an der Stimme erkennt sie ihn als ihren Rabbi, ihren Meister und antwortet mit Rabbuni,  mein Meister.   

      Wenn Jesus sie beim Namen nennt, bedeutet das,

      dass sie zu den Seinen, zu den Vertrauten, zu Ihm, gehört.

      Und sie bezeugt dann vor den Jüngern: „Ich habe den Herrn gesehen“ .

       

      Der Kirchenlehrer Augustinus sagt  über sie: „Der Hl. Geist machte Maria Magdalena zur Apostolin der Apostel.“  Danach  wird sie in der Bibel nirgends mehr namentlich erwähnt. Vielleicht war sie bei den Frauen, die wie in der Apostelgeschichte erzählt, zusammen mit den Jüngern nach der Himmelfahrt Jesu einmütig im Gebet verharrten, bis das Pfingstereignis sie in aller Welt Jesus den Auferstandenen verkünden ließ. 

      In der Traditionsgeschichte um Maria Magdalena sind wohl verschiedene biblische Mariengeschichten mit der bekannten Maria von Magdala verknüpft worden. 

       

      Es entstand das Bild, der reumütigen Maria Magdalena, der ehemaligen Prostituierten, die ihre Sünden bereut und mit Jesus durchs Land zieht.

       

      Zahlreiche Kirchen in Südfrankreich  bezeugen durch Bilder, Kirchenfenster oder Skulpturen, dass Maria Magdalena nach dem Tod Jesu in Südfrankreich wirkte.  Legenden erzählen davon, dass sie aus Palästina vertrieben,  in die Provence kam und dort predigte und taufte.  Es zeigt uns auf jeden Fall, dass sie in Südfrankreich sehr verehrt wurde und ein Vorbild für die Gläubigen war.

       

      Wohl ist ihre Bedeutung als Jüngerin uns Apostelin in der Jahrhunderte langen eher männerzentrierten Geschichte unserer Kirche verloren gegangen.

       

      Was kann uns Maria Magdalena heute noch für Impulse geben?  

      Eine Frau, die von einer Unzahl von Krankheiten geplagt wird, wird davon ganzheitlich geheilt. Auch wenn nur wenige Kranke heute wunderbare Ganzheitliche Heilung erfahren, so können sie doch durch die Zuwendung anderer und durch die Kraft des Glaubens in solchen Situationen gestärkt werden.

      Jesus schenkt uns seine Zuwendung. Bei ihm dürfen wir unsere Belastungen, all unsere negativen Erlebnisse und Sorgen immer wieder abladen, ihm übergeben.

       

      Maria zieht mit Jesus umher, sie unterstützt ihn finanziell.    Sie war wohl eine tief gläubige, gut redende, gebildete Frau, sie hat Eindruck hinterlassen, sonst würde sie nicht immer als erste erwähnt werden. Maria kann uns Mut machen, dass auch wir mit Jesus „umherziehen“. Wenn wir immer wieder zu Jesus, zur  Quelle unseres Glaubens finden, dann wird uns diese Quelle auch die Kraft geben, Seine  Botschaft zu leben und mit ihm im Alltag durchs Leben zu gehen.   Wir alle Frauen, wie Männer haben verschiedenste Begabungen und wir können uns dadurch gegenseitig bereichern. Das ist Gemeinde. die zweite Botschaft der Maria Magdalena ist es also : Unsere eigenen Begabungen nicht verschütten zu lassen, sondern sie zu leben.

      Die wichtigste und  eigentliche große der Botschaft der Maria Magdalena aber ist, dass sie es durch ihr Vertrauen in Jesus schafft, sich nicht nur von der Dunkelheit der eigenen Krankheit, sondern auch von der Dunkelheit des Todes abzuwenden. Maria wendet sich weg vom Grab, von der Dunkelheit.

      Jesus spricht sie mit ihrem Namen an. In diesem Moment begreift sie, dass Jesus lebt. Es ist die existenzielle Wende in ihrem Leben. Jesus ermöglicht es ihr,    sich von der Dunkelheit abzuwenden und dem Licht der Hoffnung zu trauen.

      Sie wird zur ersten Auferstehungszeugin und verkündet den noch eingeschlossenen Jüngern die Auferstehung Jesu.

      Die Dunkelheit in unserem eigenen Leben zu besiegen, das ist nicht nur die Lebensaufgabe der Maria Magdalena, das ist auch unser aller Lebensaufgabe. Trotz aller Einschränkungen, die wir vielleicht in unserem Leben verspüren, trotz aller Verlusterfahrungen, dem Leben zu trauen, das lehrt uns Maria Magdalena als drittes.

       

      Ein Gedicht von Ute Elisabeth Mordhorst drückt dies besonders schön aus

      Und wir wissen nicht wohin

       

      Man hat mir das Liebste auf Erden weggenommen,

      und ich weiß nicht, wohin sie dich getragen haben.

      Und ich weiß nicht wohin…

       

      wohin mit meinem Schmerz,

      wohin mit meinem Kummer.

       

      Man hat mir das Liebste auf Erden weggenommen,

      und ich weiß nicht, woher

      noch die Kraft nehmen, weiterzuleben.

       

      Einen finden, der sich einfühlen kann

      in die Dunkelheit und Leere in mir.

       

      Einen finden, der mir einsehen hilft:

      Unser Leben endet nicht am Grab.

      Es führt viel weiter

      und darüber hinaus.

       

      Einen Sinn finden.

      Trost finden.

       

      Du wirst finden,

      wiederfinden.

      Du wirst sehen,

      wiedersehen.

      Glaub mir.

       

       

      Geh und verkünde“ sagt Jesus zu Maria Magdalen. Jesus ermutigt uns alle, unseren Glaubenserfahrungen zu trauen und so selbst zu Auferstehungszeuginnen und -zeugen zu werden, das weiterzusagen was uns letztlich trägt und hoffen lässt.

      Und so feiern wir heute das Kirchenfestvoll Freude und Hoffnung.  Sie sind herzlich eingeladen, sich gegenseitig beim Namen zu rufen und Gemeinschaft zu erfahren.

      Amen

       

       

       

      Fürbitten

      Pr.;    Herr Jesus Christus, in deinem Leben, in deinem Tod und in deiner        Auferstehung hast du uns gezeigt, worauf wir hoffen dürfen.

               Darum bitten wir.

       

      1       Für alle, die sich auf den Weg machen, um dir nachzufolgen:

               Zeige du ihnen die Richtung zum geglückten Leben.

               Christus, unser Leben…   Wir bitten dich, erhöre uns!

       

      2       Für die Menschen, die nach dem Sinn in ihrem Leben suchen:

               Erfülle du ihre Leere und steh ihnen in schweren Zeiten bei.

               Christus, unser Leben …  Wir bitten dich, erhöre uns!

       

      3       Für alle Kranken, die an Körper und Seele leiden:

               Gib ihnen Kraft und Geduld zum Kämpfen und schenke ihnen Heilung. 

               Christus, unser Leben…   Wir bitten dich, erhöre uns!

       

      4       Für alle, die alleine und einsam sind:

               Lass sie in heilsamen Begegnungen neuen Lebensmut erfahren

               Christus, unser Leben ... Wir bitten dich, erhöre uns!

       

      5       Für alle die um einen geliebten Menschen trauern:

               dass sie sich ansprechen lassen und trostreiche Gesten erfahren.

               Christus,  unser Leben  ... Wir bitten dich, erhöre uns!

       

      6       Für alle unsere Verstorbenen:

               Lass sie aufbrechen aus dem Tod

               und in Dir ein neues ewiges Leben finden.

               Christus,  unser Leben … Wir bitten dich, erhöre uns!

       

      Pr.:    Denn du willst uns ermutigen und stärken.

               Dafür danken wir dir, der du lebst und liebst mit dem Vater

               und dem Heiligen Geist in alle Ewigkeit.   Amen